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SchweigenIstD...

Toxische Familie des Totschweigens

In meiner Familie sind schon einige Leute gestorben, seit ich auf der Welt bin. Einige ganz normal an Altersschwäche. Aber es gab auch ,,besondere Fälle''. Zwei durch Suizid, einer spontan durch Schlaganfall, es gab auch eine Fehlgeburt, wenn man die mit dazu zählen will. Und irgendwann wurde auch mal jemand überfahren, aber ich hab keine Ahnung ob ich da noch ein Kind oder noch nicht auf der Welt war und wie genau ich mit ihm verwandt bin. (Ich weiß das nur, weil wir ein riesiges Bett im Keller stehen hatten und mir erzählt wurde, dass das eine Spezialanfertigung für ihn war, weil er über 2m groß war. Ja, er wurde überfahren, ja ich weiß Ironie des Schicksals.)

Wie dem auch sei. In unserer Familie wird allgemein nicht über ernste Dinge gesprochen. Aber über den Tot eines Familienmitglieds schon garnicht. Das läuft dann immer so ab: Schweigen, schweigen, dann Schweigen auf der Beerdigung (die i.d.R. schweigend von den 1-2 aller engsten Angehörigen organisiert wurde) , dann weiter schweigen.
Wenn man mal irgendwie darauf zu sprechen kommen möchte, wird sofort das Thema gewechselt, als hätte man es überhört. Man möchte vielleicht auch mal wissen, wie es jemandem geht, wenn der aller engste Angehörige (ggf. sehr frühzeitig) verstorben ist. Wie zum Beispiel der Ehepartner, das eigene Kind, das eigene Elternteil. Aber es wird nicht darüber gesprochen. Nein, das Thema wird ignoriert und es geht sofort um etwas komplett anderes, als hätte man es nie erwähnt. Und das geht soweit, dass einem nichtmal davon erzählt wird, wenn ein sehr naher angehöriger gestorben ist, als man noch ein kleines Kind war.
Das wird einem dann ,,vermittelt'' indem einem dann aufgetragen wird ,,geh mal bitte heute ganz dringend an diesem und jenen Grab das Unkraut wegschneiden, ist extrem wichtig, danke''. Und dann sieht man es auf dem Grabstein und wenn man nachfragt, kommt nur ein ,,Ja'', und sofort ein komplett anderes Thema: ,,Hast du eigentlich schon Hausaufgaben gemacht und dein Zimmer aufgeräumt? Ich kontrolliere das gleich also rate ich dir, es zu machen.''

Dieses Verhalten haben übrigens beide Seiten meiner Familie (sowohl väterlicherseits, als auch mütterlicherseits) ganz unabhängig voneinander. Nie redet jemand ein wort, nie sieht man jemanden trauern, nie will jemand in den Arm genommen werden oder zeigt irgend eine Emotion vor anderen.
Das geht übrigens soweit, dass ein inzwischen weit über 60 Jähriger Verwandter von mir, mit der Familie komplett gebrochen hat, weil ihm niemand je erzählt hat, wie und warum sein Vater gestorben ist, als er ca 2 Jahre alt war. (und er hatte noch seine Mutter und mehrere viel ältere Geschwister, die es ihm alles hätten erzählen können aber sich sein gesamtes Leben geweigert haben. Und der Mann ist jetzt mindestens Ende 60 und weiß immernoch nichts!)

Ich finde dieses Verhalten in meiner Familie hoch toxisch und nicht normal. Aber ich habe inzwischen aufgehört, zu versuchen, etwas zu ändern. Weil es nicht funktioniert. Wenn ich zu behaarlich weiter stocher, nachdem Fragen und Aussagen ignoriert werden, wird die Person agressiv und geht weg. In dieser Familie wird nie über ernste Angelegenheiten gesprochen, aber über das Sterben, das wann und warum und wie es einem damit geht, schon gar nicht.

Ist das normal, machen das andere Familien auch so? Macht mich halt stutzig, dass das auf beiden Familienseiten so läuft, obwohl die kaum miteinander zutun haben oder sich teilweise nichtmal kennen. (wir Kinder sind halt nur die ,,Brücke'' zwischen den beiden Familien aber zum Beispiel mein Tante väterlicherseits und meine Tante mütterlicherseits sind sich noch nie begegnet und kennen sich auch nicht vom Namen. (wahrscheinlich wissen sie gegenseitig nichtmal von ihrer Existenz).

Übrigens betrifft das auch Konstelationen, wenn jemand stirbt, den ein anderer garnicht kannte. Also wenn von einem Kind z.b. der Vater stirbt und es eigentlich best friends mit der Großcousine mütterlicherseits ist die sonst über alles reden, kann es auch darüber nicht reden.

Was ist los mit meiner Familie? Ist der Zusammenhalt einfach so schwach, dass man nicht über sowas reden kann? Oder sind die Charakter so schwach, dass niemand überhaupt über etwas ernstes reden kann? (ich rede ja auch nicht davon, den ganzen Tag über nichts anderes zu reden. Aber es einmal wenigstens aufarbeiten, alles zu klären, darübe reden wie es einem damit geht.) Oder ist das doch ein ,,normales'' Verhalten, was in jeder anderen Familie ebenso stattfinden würde?!

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Kommentare (2)

LuckyTruth

In den meisten Familien wird nicht über ernste Dinge gesprochen, weil die meisten Familien auf kranken Unterdrückungskonstellationen beruhen und die Eltern ja die Verursacher des Kinderleidens sind, indem sie sie gezeugt bzw. geboren haben. Natürlich soll das verschwiegen werden, wie die Tierausbeutung und die Frauenunterdrückung oder die Existenz von Zwittern (Intergeschlecht).

Die Eltern knechten die Kinder. Der Erzeuger knechten die Gebärende, die Kinder und die Haustiere.
Ist der Erzeuger nicht anwesend, so knechten verwandte Männer und sind die auch nicht da, knechtet die Gebärende (die Männeridiotien verinnerlicht hat).

Die Familie ist dadurch bereits ein Ort der Lügen und Überzeugungen. Der Ort wo du MANipuliert wirst, wo dir eingeprügelt oder verhetschelt wird, woran du dich halten sollst Z. B. Lookismus/Ableismus, Adultismus, Hetero-Sexismus, Antifeminismus, Speziesismus, Pronatalismus...

Ich finde Eltern sind mit Ärzten oft die allerersten Unterdrücker und Schänder die Menschen zu Gesicht bekommen.
Und dadurch dass das Verhältnis von Eltern zum Kind ein unterdrückendes ist, wird das Kind die Eltern auch nie wirklich lieben, aber tut halt so, solang wie nötig, um zu überleben.

'Einige ganz normal an Altersschwäche.'
Ich hoffe wir verstehen dasselbe darunter. Alte Menschen werden heutzutage senil und sterben aufgrund von Medikamenten, Kosmetik, Hormonpreparaten, Lebensmittelindustrie, Armut, Mobbing/Diskriminierung usw. die im Alter derber zuschlagen als im jungen Alter.
Das Altwerden macht höchstens anfälliger für Krankheiten, Brüche usw. du musst dir das wie einen Stein vorstellen über den jahrelang Wasser fließt oder an dem Jahre über gefeilt wird. Der stumpft ab und zerbricht irgendwann. Dabei ist Altsein nicht die Todesursache, im Beispielfall ist es das Liegen im Wasser und die Feile, die abstumpfen und brechen.

Suizid ist übrigens auch keine Todesursache, wenn du mal nachdenkst. Niemand bringt sich freiwillig um, sondern unter Zwang. Es liegt oft am erlerbten oder an befürchteten Mobbing/Diskriminierung bzw. ausgeliefert sein wenn irgendetwas eintritt. Niemand will gern Schmerzen haben, die sie/er nicht selber beenden kann. Abhängigkeit macht vielen Angst, weil alle wissen wie mit abhängigen Lebewesen umgegangen wird. Die werden ausgebeutet, ausgegrenzt, gefoltert, gemordet wie Vieh.
Um so einem Schicksal zu entgehen bleibt für einige nur Suizid.
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neu aufgerollt

Ich hab gerad was hochgescrollt. vielleicht kannst du was damit anfangen.
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